Samstag, 24. Januar 2009

Vom weisen, besinnlichen Alter

Seit einigen Tagen nehme ich mir schon vor, wieder etwas für diesen Blog zu schreiben.
Allzuoft hat eine kurze Notiz, oder ein Bild reichen müssen.
Jetzt gebe ich mir selber einen Schubs und fange endlich an.
Worüber schreibe ich?
Das Wetter? Das ist überall gleich schlecht.
Die politische Lage? Die kennt jeder genausogut wie ich.
Bleibt also nur noch mein Alltag.
Im Grunde spielt sich dort auch jeden Tag das Selbe ab, mit dem Unterschied, dass er mal mehr und mal
weniger an meinen Nerve zerrt.
Hatte ich doch schon im vorherigen Artikel das Thema Wechseljahre, so ist es nun das Älterwerden.
In der letzten Woche hatte ich mir ein Magazin gekauft, das sich psychologisch mit den Altwerden beschäftigt.
Wenn man älter wird, so heißt es darin, wird man ruhiger, gelassener und auch zufriedener. Sieht neue Perspektiven.
Alles hört sich wunderbar an und ich bin mir sicher, dass ich genau so werde.

Doch... haa... da sind meine Erfahrungen, die mir etwas vollkommen anderes erzählen.
Ich arbeite in einem " Haus Für Betreutes Wohnen". Dort bin ich, für die meisten alten Menschen die erste Ansprechpartnerin.
Ich möchte euch jetzt ein Beispiel geben; nur eine halbe Stunde aus meinem Alltag.

Gegen elf Uhr mache ich Pause. Dann hole ich mir einen Kaffee und esse mein erstes Frühstück -ein Brötchen.
Von Ruhe kann keine rede sein. Jetzt sieht jeder der vorbei kommt, dass ich Zeit habe.
Die erste Dame kommt an - natürlich sind es immer die mit denen man sich nicht so gerne unterhält, weil sie einem immer mit Beschlag belegen. Diese muss die Blumen gießen- sie hat das ehrenamtlich übernommen. Kommt jeden Tag, sodass den Pflanzen schon Schwimmflossen wachsen und braucht mindestens anderhalb Stunden dafür.
Kurz darauf kommt die zweite Dame und setzt sich zu mir an den Tisch.
"Hören sie mal. Ich muss ihnen mal was erzählen. Sind wir alleine?"
Dame eins horcht gerne und ich sehe wie sie hinter einem Schrank stehen bleibt.
Ich sagte. "Frau W... gießt gerade die Blumen" und hoffte beide damit wieder los zu werden.
Dame Eins fühlt sich ertappt und kommt hervor. Setzt sich ebenfalls an meinen Tisch und erklärt der Dame Zwei:
Also..., gestern habe ich mich ja bei der Leitung endlich einmal beschwert. War doch schon wieder die Waschmaschine unten nicht leergeräumt und niemand wusste wem die Wäsche gehört. bla...bla.. bla...
Ich versuche das alles zu ignorieren und trinke meinen Kaffee. Biete auch niemandem etwas an, damit sie nicht noch länger bleiben.
So schnell geht dass aber nicht.
Das Gespräch ging weiter über jemanden der nicht freundlichgenug grüßt, bis zu den Wehwehchen die man im Alter bekommt.
Naja.. ein junger Hüpfer bin ich nun mal gerade auch nicht mehr mit meinen neunundfünfzig. In der Runde war ich jedoch die jüngste. Dabei muss ich betonen, dass es ausgerechnet den beiden ziemlich gut geht und dass sie bei jeder Feier dabei sind und dafür sorgen, dass sie auch im Mittelpunkt stehen.
Die eine klagte über ihre Akupunktur und dass sie diese doch als unangenehm empfindet. Die zweite beklagte sich, dass sie Dies oder Jenes nicht mehr heben kann, usw
Zum Schluss sahen mich beide mit leiderfüllten Gesichtern an und meinten:
Ach Frau B... sie wissen ja gar nicht, was alles schreckliches auf einen zukommt, wenn man alt wird. Irgendwie haben wir wohl den Zeitpunkt verpasst, an dem wir uns besser aufgehängt hätten.
Mir blieb der Rest meines Kaffees im Hals stecken und ich betete innerlich.
Lieber Gott, bitte lass mich nicht so werden.

Kommentare:

Julianna hat gesagt…

Ich lese so gerne deine Geschichten,immer was zu schmunzeln.
Und,nein, ich glaub nicht, das du so wirst wie die "Zwei"
Wenn wir das Leben positiv betrachten, kann es nur gut gehn.
Nur wenn man anfangt zu jammern, das man schon so alt ist(was manchen schon mit 40 tun!!)dann ist es zu spät.
Ich hab nie Problemen gehabt mit "dem Alter" werden.Ich geniesse das Leben so gut es geht.

LG, Julianna

lavendelherz hat gesagt…

Da schliesse ich mich doch Julianna an. Positives Denken aber auch positives Leben hilft ganz sicher dem "Alter" eins auszuwischen.Lebendige Menschen die nicht starr in ihrem Wirken sind, haben es sicher leichter mit dem Alter umzugehen.
Und mal ehrlich, wenn das Leben so shclecht ist im Alter, was hindert die beiden Damen daran j e t z t sich den Strick zu nehmen?? Also das war doch nun wirklich albernes Getue dieser Damen ;-)